LegacyCircuit

Einlagig bis mehrlagig: wie viele Lagen hat Ihre Platine?

Die Anzahl der Kupferlagen entscheidet am stärksten darüber, wie leicht sich eine alte Platine neu erfassen lässt. So sind die üblichen Typen aufgebaut – und so erkennen Sie sie.

Aktualisiert:

Einlagige Platinen (1 Lage)

Kupfer nur auf einer Seite, die Bauteile meist auf der anderen, ihre Anschlüsse durch Bohrungen gesteckt. Typisch für ältere Unterhaltungselektronik, Netzteile und einfache Steuerungen. Oft aus Hartpapier (FR-2, erkennbar an der braunen Farbe und am Geruch bei Erwärmung) statt aus Glasfaser-Epoxid.

Für den Nachbau ist die einlagige Platine der einfachste Fall: Alles ist sichtbar.

Zweilagige Platinen (2 Lagen)

Kupfer auf beiden Seiten, verbunden über durchkontaktierte Bohrungen (Vias). Das ist seit den 1980er-Jahren der häufigste Typ in der Industrieelektronik. Basismaterial ist meist FR-4.

Beide Seiten lassen sich scannen; die Vias zeigen, wo die Lagen verbunden sind. Bauteile auf beiden Seiten oder unter grossen Komponenten brauchen mehr Sorgfalt, aber die Daten lassen sich ohne Zerstörung vollständig erfassen.

Mehrlagige Platinen (4, 6 und mehr Lagen)

Zusätzliche Kupferlagen sind im Inneren einlaminiert, oft als durchgehende Masse- und Versorgungsflächen, manchmal mit Signalleitungen. Eine vierlagige Platine sieht von aussen aus wie eine zweilagige – die Innenlagen sind unsichtbar.

Um Innenlagen zu erfassen, braucht es Röntgenaufnahmen oder das schrittweise Abschleifen einer Opferplatine. Deshalb sind 1–2 Lagen bei uns Standard und Mehrlagen auf Anfrage, zusammen mit einem spezialisierten Partner.

So erkennen Sie die Lagenzahl

  • Platine gegen eine starke Lampe halten: Bei 1–2 Lagen scheint Licht durch kupferfreie Stellen; Innenflächen blockieren es.
  • Den Rand oder einen Ausschnitt mit der Lupe ansehen: Dünne Kupferlinien im Laminat deuten auf Innenlagen.
  • Vias, die auf keiner Seite an eine sichtbare Leiterbahn gehen, führen meist zu einer Innenlage.
  • Alte Fertigungszeichnungen oder Lagennummern am Rand (z. B. L1, L2, L3, L4) geben direkt Auskunft.

Unsicher? Senden Sie uns scharfe Fotos beider Seiten und der Kante. Wir sagen es Ihnen bei der Prüfung.

Basismaterialien im Überblick

MaterialTypischer EinsatzHinweis für den Nachbau
FR-2 / HartpapierAlte einlagige KonsumgeräteHeute selten angeboten, meist durch FR-4 oder CEM-1 ersetzt
CEM-1 / CEM-3Kostenoptimierte ein- und zweilagige PlatinenNoch erhältlich, mechanisch schwächer als FR-4
FR-4Standard für 2 Lagen und MehrlagenStandardwahl für die meisten Nachbauten
High-Tg FR-4, PolyimidHohe Temperaturen, bleifreies Löten, LuftfahrtWird bei Bedarf in der Fertigungszeichnung vorgegeben

Fragen

Können Sie eine vierlagige Platine nachbauen?

Ja, auf Anfrage. Innenlagen brauchen Röntgen oder die zerstörende Analyse einer zweiten Platine; Aufwand und Preis liegen deshalb höher als bei einer zweilagigen.

Muss der Nachbau dasselbe Material haben?

Nicht unbedingt. Alte Materialien wie FR-2 sind schwer zu bekommen. Wir geben einen aktuellen Ersatz vor und dokumentieren die Änderung.